Agaven Bier und wie es schmeckt!

Endlich, nach Monaten des Wartens konnte ich meinen Experimentalsud verkosten.

Wie auf Instagram geschrieben erinnert der Geruch leicht an Melisse und für mich als gebornenen Stammersdorfer (Wiener Weingegend) war der Geruch der typische eines weißen Spritzers (Weißweinschorle). Man merkt dem Bier seine Jungheit noch an.

Auf alle Fälle ein guter Erfolg, mit einem richtigen Bieransatz (ohne grausliches Coldmash) wäre es sicher noch besser geworden.

Die Versuche gehen weiter, als nächstes wird es wohl ein Graf (Biersud mit Apfelsaft gemeinsam vergoren), aber natürlich wird es weiter Versuche in Richtung Braggott geben.

Da die Biere von Enkidusstube jedoch auf Regionalität setzen werden (ja die Brauerei ist weiterhin geplant, bleibt gespannt) wird es wohl noch dauern bis ich einen österreichischen Agavenzüchter finde der mir Agavensaft in Bioqualität zur Verfügung stellt. Daher wird es wohl bei 20L bleiben. Außer ich pflanze sie bald in meinen Garten.

Vielleicht gar keine schlechte Idee…

Aecht Schlenkerla Rauchbier Märzen

Das Schlenkerla Rauchbier ist wohl eines der traditionsreichsten Biere weltweit. Die sehr liebevoll gestaltete Seite https://www.schlenkerla.de/ zeigt eindrücklich welchen historischen Wert dieses Bier bis heute vermittelt.

Es ist eine Freude auf der offiziellen Schlenkerla Seite zu lesen, da es nicht besser beschrieben werden kann lasse ich es an diese Stelle mit einigen kurzen Anmerkungen gut sein.

Das Märzen wird mit Malz gebraut welches über offenem Buchenholz gedarrt wird. Durch diese Sonderbehandlung entsteht ein sehr intensives dunkles rauchiges Bier. Mit jedem Schluck gewöhnt sich der Gaumen das zunächst befremdliche rauchige Aroma und es kommt vermehrt die starke Restsüße des Bieres zum Vorschein.

Mein Tipp unbedingt nicht zu kalt trinken, das beste Aroma ist knapp um die 12°C für mich am angenehmsten.

Neben dem Märzen gibt es noch einige andere Vertreter auf die ich in Zukunft eingehen möchte. Darunter ein mit Eichenholz geräucherter Doppelbock.

Ich freu mich schon drauf.

Tradition bewahren heißt, die Flamme weiterzugeben, und nicht nur die Asche aufzuheben.

Jean Jaurès

Schweinsbratenbier

Hierbei handelt es sich um ein Bier nach dem Stil er Leipziger Gose.

Die Leipziger Gose ist ein historischer Bierstil der durch die Craftbeerbewegung wiederbelebt wurde. Es handelt sich um eine Art Weißbier, welches aufgrund des Salzgehalts der Goslar etwas mineralisch und aufgrund der Milchsäurebakterien leicht sauer schmeckte.Während dem Hopfenkochen wird meist Korriandersamen beigegeben ähnlich wie bei belgischen Witbieren und dieser kleine Kick macht das Ganze erst so richtig geschmackvoll.
Im ersten Moment wirkt das irritierend, ich rate aber jedem einmal eine echte Gose zu kosten. Der leicht salzig-saure Eindruck wirkt angenehm erfrischend, besonders wenn er mit etwas mehr Kohlensäure zur Geltung kommt.

Meine Gose erfreute sich außerdem über einen erheblichen Anteil Rauchmalz, Ziel war damals ein möglichst mittelalterliches Bier zu brauen, weswegen es auch nur im Keller und nicht im Kühlschrank lagerte.

Ich experimentiere generell gerne und wenn jemand sagt „Das kann nur Schiefgehen“, ist das meistens eine Herausforderung für mich.

Gose beim verkosten nach über einem Jahr.

Verkostung

Im Geruch macht sich saure Birne, Apfel und etwas Pfeffer bemerkbar. Nach einem kräftigen Schluck prickelt die Kohlensäure stark aber noch angenehm auf der Zunge. Geschmacklich ist es klar mineralisch sauer geprägt, das Rauchmalz ist nicht aufdringlich, eher zurückhaltend ledrig und dank des schlanken Körpers verschwindet das Bier erfrischend im Rachen.

Das Bier passt perfekt zu einem schönen Kümmelbraten, Stelze aber auch Chili con Carne kann ich mir sehr gut dazu vorstellen.

Persönlich habe ich neben der Verkostung einen geräucherten Gouda gegessen der wie geschaffen für dieses Bier war.

Wennste probst der Gose Saft, Wappne dich
mit Heldenkraft! Denn de weest nich, wärd dei
Magen Ja und Amen derzu sagen? Drum bevor
de rechte Hand noch ums Stengelglas sich
wand, leg aus Vorsicht deine linke, Uf de
Stuwendhiereklinke!

Edwin Bormann

Coldmash Weizen trifft auf Agavendicksaft

Gesagt, getan. Wie in meinem vorletzten Beitrag versprochen ging es direkt ab in den Supermarkt und 4 kg Agavendicksaft wurden gekauft.
Dieser schmeckt ähnlich wie heller Ahornsirup und wurde mit 10L Wasser zu meinem gärenden Weizen zugefügt.
Die Dichte ging durch die Decke, der Link ist immer noch hier zu finden.
Die Idee dahinter ist simpel aber genial. Ich braute bereits einen Braggot, hierbei handelt es sich um ein Getränk dass sowohl aus Bierwürze als auch Honig besteht welcher zusammen vergoren wird.
Statt Honig müsste eigentlich jede andere zuckrige Flüssigkeit auch gehen.
Das nächste mal wird es Grafschafter Goldsaft. Stay tuned!

Aber wie soll man das Gebräu nun nennen? Braggot kommt nicht in Frage.
Das fermentierte Getränk aus Agavensaft nennt man Pulque, wird Agavensaft fermentiert und destilliert ist es Mezcal, kommt dieser aus 100% blauer Agave und gewissen Städten in Mexico ist es Tequila. Je nach alter des Tequilas gibt es dann noch besondere Benennungen.
In der Mayasprache ist Pulque Metoctli.
Metoctli + Braggot = Bratoctli!
Na das war ja gar nicht so schwer.
Prost.

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#agave #fusion #agavemeetsbeer #agavot #homebrew

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Die 4 kg Agavensaft
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During

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Zugabe
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After

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Sieht doch schon gut aus!

Si! Fliegen!

Mexikanischer Nebendarsteller in Southpark

LA CHOUFFE Blonde

Sicher eines der klassischsten belgischen Biere die man in Österreich kaufen kann (Der Belgier, keine Sorge du kommst auch noch dran 😉 ), andere bekannte Vertreter hierzulande natürlich Duvel (aus Belgien), Brauwerk Sunbeam (Früher Hausmarke 1) und das Blonde vom oben bereits erwähnten Belgier.

Hierbei handelt es sich um ein helles obergäriges Starkbier, in Belgien gehört es neben einem untergärigen hellen Bier (Pils, Helles) zum Standardsortiment. Obwohl es relativ stark ist, mit einem kräftigen Körper ist es sehr gut trinkbar.

Die Brauerei ist Brasserie d’Achouffe und gehört seit 2006 zu Duvel. Ich verbinde mit dieser Brauerei viel, da die Entstehungsgeschichte faszinierend ist.
Zwei Schwager nehmen etwas Geld in die Hand, bauen sich eine 49L Maischepfanne und beginnen zu brauen. Einer nach dem anderen macht dies dann zu seinem Hauptgewerbe und sie expandieren in die Niederlande.
Da sieht man was möglich ist und es bestärkt mich jedesmal in meiner Planung, wenn ich eines ihrer Biere trinke (auch wenn sie mittlerweile zu Duvel gehören).
Übrigens wird mein Bier auch in solchen süßen Flaschen verkauft werden.

Zum Bier selbst, in der Nase ganz leichte Limette und Banane und natürlich der würzige Koriander. Lässt man einen Schluck etwas im Mund verweilen spürt man die cremigkeit, über den Rachen merkt man leicht Banane, vielleicht etwas Nelke und die Süße erinnert an Cornflakes. Es verschwindet im Rachen und damit war es das, kein Nachhall und man freut sich auf den nächsten Schluck.

Was haltest du davon? Lass es mich wissen! Prost auf ein großartiges Bier.

Wunderschön!

Was dein Herz erfreut, das erfreut auch unser Herz. Unsere Leber ist glücklich und unser Herz ist fröhlich. Möge Ninkasi stets mit dir sein.

Hymne an Ninkasi, die Göttin des Biers, um 1800 v. Chr.

Coldmash Weizen

Endlich gibt es den ersten offiziellen Enkidu Brauversuch. Nach einem Youtube-Video von 089Braumeister gab es kein Halten und es wurde eingekauft.
In diesem Video geht es um das sogenannte kaltmaischen. Normalerweise wird beim Maischen penibelst auf die Temperatur geachtet, damit die jeweiligen Enzyme in ihrer optimalen Temperatur ans Werk gehen können.

Beim Kaltmaischen verwirft man diese Idee und lässt das Malz über Nacht bei Kühlschranktemperaturen auslaugen. Da dass heutige Malz aufgrund der verbesserten Technologie in Mälzereien bereits genügend Enzyme bildet und diese auch bei niedrigeren Temperaturen bereits aktiv sind sollte das Funktionieren.

So weit so gut, graue Theorie gut und schön das reicht uns nicht!

Schnell ein Rezept zusammengeklopft, Braukessel gereinigt und ab ging die Maische. Das „Rezept“ hat diesen Namen übrigens nicht verdient.

Nach einer ruhigen Nacht wurde der Maischesack heruasgehoben und die Würze eine Stunde gekocht.

Als Hopfen dienten meine Reste an Hallertau Tradition welcher die ganze Kochdauer eingesetzt wurde.

Grob 13 Liter konnten in meinen Kellermeister gerettet werden und gären nun vor sich hin. Die Gärdaten werden mittels iSpindel übertragen (siehe unten).

Gärdaten mit iSpindel

Leider lässt WordPress mich meine Graphen nicht direkt einblenden. Klicke einfach hier um den Verlauf online zu verfolgen.

Der Brautag in Bildern

Ich lasse die Impressionen mal so stehen, Rückfragen beantworte ich gerne!

Sobald in Flaschen abgefüllt und fertig gelagert ist melde ich mich in diesem Beitrag erneut.

UPDATE 22.03.2020
Das Jungbier schmeckt, wenn auch zu bitter (ich konnte nicht an mich halten und habe zu viel Hopfen genommen wie meistens…).
Nach einigen anderen Bierproben gestern kam mir jedoch eine großartige Idee. Seit meinem Mexikourlaub möchte ich etwas mit Agavendicksaft machen. Mein letzter Braggot hat wunderbar geschmeckt und in meinem Fermenter ist noch Platz. Also werde ich morgen den ersten mexikanische Pulque Braggot machen.
Link wird hier eingefügt.
Manchmal macht mir mein eigenes Genie Angst.

Relax. Don’t worry. And have a homebrew.

Charlie Papazian

Quo Vadis

Freitag der 13te, es tobt Corona und in seiner kleinen Trutzburg sitzt Enkidu trinkt ein Imperial IPA (Affenkönig von Brewdog) und sinniert über den weiteren Werdegang und da meine cerebralen Flatulenzen mir selber oft zu viel werden, teile ich sie gerne mit euch.

Ich arbeite, viel, manchmal zu viel, und nebenbei versuche ich eine Brauerei zu gründen, über Bier zu schreiben, lerne mich in Grafikprogramme ein und versuche Gesetzestexte zu verstehen.

Und es ist großartig. Mit jeder weiteren Meinung zu meiner Seite und dem ganzen Projekt kommen neue Möglichkeiten, seien es Anlagenbauer die bei der Größe der Sudanlage behilflich sind (Danke Dreher Brauanlagen), Leute die einfach Fragen stellen wodurch ich wieder neu nachdenken muss oder auch länger bestehende Seiten wie i2b die bei meinem Businessplan helfen. Sie alle unterstützen mich und ich bin von Tag zu Tag von Minute zu Minute sicherer dass ich dieses Unternehmen gründen kann.

Wo stehen wir. Der Name steht, die Unternehmenstruktur ist zu 50% geklärt (Steuerberater wird noch konsolidiert), Website steht und wird laufend verbessert.

Es fehlen noch Fotos meiner jetzigen Hobbyanlage (kommen am Wochenende versprochen), Abklärung zwecks der Flächenwidmung und Gespräche mit der WKO. Der Businessplan ist zu 10% fertig, die erste Kostenschätzung sieht positiv aus.

Ich merke, wie ich Bier bewusster wahrnehme, jeder Schluck etwas Inspiration, Etiketten werden begutachtet und Überlegungen angestellt. Mein Kopf gleicht einem Wirrwarr aus zündenden Ideen und ich merke dass dieses Feuer schon lange in mir schlummert.

Zum Glück habe ich eine wundervolle Frau die mich unterstützt, eine liebende Familie die hinter mir steht und Freunde die mich unterstützen.

Dafür ein großes Danke euch allen.

Also, um auf die Eingangsfrage zurückzukommen, wir marschieren Richtung Gründung.

Es wird ein Fest!

Freude an der Arbeit lässt das Werk trefflich geraten.

Aristoteles

Schleppe No. 1 (Flasche)

Was kann man zu einem Pale Ale schreiben dass nicht schon hundertmal oder öfter geschrieben wurde. Ich probier es erst gar nicht und verweise auf eine genauere Analyse welche nachgereicht wird.

Stiltypisch ist die leicht orange Färbung, welche je nach Stammwürze immer dunkler wird. Klassischer Weise steht hier der Hopfen im Vordergrund, wenn auch noch nicht so stark wie im India Pale Ale. Pale Ales gehören zu den typischen englischen Bierstilen und unter jenen wohl zu den Bekannteren.

Die Schleppe Brauerei gehört zu 100% zu den Vereinigten Kärntner Brauereien, welche wiederum zu 100% der Brauunion Österreich gehören und diese wiederum zu 100% zum Heineken Konzern.
Der Name Heineken führt in Craftbeerkreisen oft zu einem Beissreflex, wem wieviel einer Brauerei gehört ist mir persönlich ziemlich egal, solange sie ihre Brauer und Biere gut behandeln.

Dies dürfte hier gut geklappt haben, das Bier ist für ein Supermarkt Bier nicht allzu oxidiert, die Fruchtigkeit (Mango,Pomelo,Grapefruit) hat zwar bereits nachgelassen aber das war auch zu erwarten. Leider steht der Bitterkeit etwas zu wenig Körper entgegen, dafür ist der Nachtrunk sehr angenehm.
Kurz und gut kann man getrost 3.5/5 Sterne vergeben und sich mal darüber trauen.

Zu jedem Pale Ale wird gegrilltes Empfohlen, viel zu einfach, mal ehrlich gegrilltest schmeckt zu jedem Bier. Ich habe dazu einen Proscuitto Toast mit Cheddar gegessen und auch das passte perfekt.

Mein Untappd Eintrag dazu.

I have fed purely upon ale; I have eat my ale, drank my ale, and I always sleep upon ale.

George Farquhar

Guiness Draught Stout (Dose)

Foto Guiness März 2020

Na endlich, mein erster Beitrag zu einem Bier. Hierbei handelt es sich um ein Guiness aus der Dose, gekauft im März 2020 in einem großen Supermarkt in Österreich. Ablaufdatum ist der 11.09.2020.

Die Lotnummer ist L9317GH004 3. Interessant sind die vier Zahlen nach dem L. 9317, 9 steht für das Jahr in diesem Fall 2019, 317 für den 317. Tag. Damit wurde dieses Bier am 13.11.2019 abgefüllt. Es ist also nicht ganz 4 Monate alt und war die meiste Zeit definitiv ungekühlt im Regal.

Der Vorteil bei Stouts ist dass die Röstaromen eventuelle Alterungseffekte gut kaschieren, natürlich wird es nicht so wohlschmeckend wie ein frisches Guiness in der Brauerei sein. Dennoch reicht es für mich eine 3/5 zu vergeben.

Doch genug Geschwätz, reden wir über den Geschmack. Eine angenehm bittere Note die vom Röstmalz ausgeht ergibt mit dem cremigen Schaum und der so gut wie nicht vorhandenen Kohlensäure das Gefühl eines cremigen kalten Kaffees. Der cremige Schaum entsteht unter Anderem durch die Stickstoffkapsel welche beim Öffnen in das Bier fällt.

Es passt meiner Meinung nach hervorragend zu meiner heutigen Speise (Schweinskarree in marrokanischem Honig mit Ofengemüse).
Die sehr intensive schwarz anmutende Rubinrote Farbe wirkt schlicht und elegant.

Übrigens, auch Guiness besteht zum größten Teil aus hellen Malzsorten. Ein Bier aus reinem Röstmalz würde viel zu bitter schmecken und da beim Röstprozess wertvolle Enzyme abhanden kommen, wäre ein Brauen ohne Zusätze nicht möglich.

Untappd: https://untappd.com/user/EnkidusStube/checkin/875316890

I’m an early riser. I work out really hard. I push myself; I get my job done, and at the end of the day, there’s a Guinness waiting for me.

Jason Mamoa

Das „traditionsreiche“ österreichische Märzen

Ich gebe zu, die Überschrift ist etwas provokant gehalten, das Märzen ist definitiv der beliebteste Stil in Österreich auch wenn es erst knapp über hundert Jahre alt ist.

Das österreichische Märzen ist in der restlichen Welt unter dem Begriff „deutsches Helles“ bekannt, und fällt laut BJCP (=Beer Judge Certification Program) in die Kategorie 4A – Munich Helles. Der Name Märzen kommt noch aus der Zeit ohne Kühlung, da untergäriges Bier nur bei niedrigen Temperaturen vergoren werden kann, war die Saison für diesen Bierstil mit März vorbei.
Es wird als reines, goldfarbenes deutsches Lagerbier (=untergäriges Bier) mit einem weichen getreidig-süßen Malzgeschmack beschrieben. Des Weiteren hat es einen weichen trockenen Abgang. Unterschwellige Hopfennoten mit einer zurückhaltenden Bitterkeit sollen helfen die Balance zwischen Malz und Hopfen zu halten, was es zu einem idealen Alltagsbier macht. In Österreich muss es zwischen 11°P und 16°P haben.

Im BJCP  gibt es noch weiterführende Beschreibungen, generell empfehle ich die Stilrichtlinien zu lesen und zu verstehen – auch wenn man sie nicht zu 100% befolgen muss, sind sie doch ein guter Richtwert wenn man gezielt nach Bierstilen brauen will.

Aber zurück zum österreichischen Märzen. Dieses ist mit Abstand der meistgetrunkene Bierstil in Österreich. Es ist etwas intensiver als das internationale Lager und ihm fehlt der typische Diacetylgeschmack der tschechischen Vertreter. Jede Brauerei in Österreich braut eines und aufgrund der erwünschten Balance zwischen Malz und Hopfen sowie einer geforderten goldgelben Farbe und untergäriger Hefe schmeckt man jeden Fehler.

Es ist unglaublich schwierig, diesem Bierstil seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Daraus resultiert, dass Märzenbiere verschiedener Brauereien sehr ähnlich schmecken. Ich behaupte sogar, dass es wahrscheinlicher ist, Fehler aufgrund der falschen Lagerung eher zu schmecken, als tatsächlich unterschiedliche Marken wahrzunehmen.

Aber wie entsteht sie, nun diese verbreitete Gattung, und wieso entsteht sie erst am Ende des 19. Jahrhunderts?

Um helles untergäriges Bier zu bekommen müssen einige wichtige technologische Fortschritte im Brauereiwesen betrachtet werden. Zunächst muss helles Malz zur Verfügung stehen. Helles Malz wird durch relativ kühles darren (= trocknen mit heißer Luft) bei 80°C erreicht. Die Bierwürze darf sich beim Brauen nicht mehr verfärben weswegen ein Infusionsverfahren besser als das altertümliche Dekoktionsverfahren ist. Nach dem Brauen muss mit untergärigen Reinhefestämmen zwischen 4°C und 9°C über mehrere Wochen vergoren werden.

Es ist leicht ersichtlich, dass die genaue Temperatursteuerung Dreh- und Angelpunkt eines erfolgreichen hellen Bieres ist. Diese wiederum ist erst in der heutigen Zeit möglich. Unter Anderem ist gerade die Kühltechnik dank Lindeverfahren und Anton Dreher in der Brauerei Anfang des 20.Jahrhunderts dafür verantwortlich.

Kurzum ist das österreichische Märzen, in seiner perfekten Balance definitiv eine technologische Meisterleistung.

Darauf ein Prost!

Nachtrag 07.03.2020: proBier.tv über einen bekannten Vertreter.

Die erste Pflicht der Musensöhne
Ist, dass man sich ans Bier gewöhne.

Wilhelm Busch
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